Fremdensitzungen

1971, das Jahr in dem der Karnevalverein KIKIRIKI seinen 70. Geburtstag feierte, brachte einige Entwicklungen mit sich. Auf Anfrage wurde erstmalig eine Fremdensitzung durchgeführt, das bedeutete, dass Büttenreden geschrieben und vorgetragen wurden. In der Bütt konnte so manchem der Spiegel vorgehalten werden und Neuigkeiten in spaßigen und auch ernsten Worten dem Publikum vorgestellt werden. Beliebt waren gereimte und sich wiederholende Kehrverse, die vom Publikum mitgesprochen werden konnten. Die Fremdensitzung fand so viel Zuspruch, dass bald zwei identische Sitzungen angeboten wurden. Außer Büttenreden, Zwiegesprächen und Sketchen gründete sich eine erste Garde mit damals eigens aus Frankfurt besorgten Gardekostümen in den Farben Rot und Weiß mit Goldknöpfen und Goldborten. Diese sind bis heute noch erhalten, werden aber nicht mehr genutzt, da sich die Gardekostüme im Laufe der Zeit sehr verfeinert und individualisiert haben. Alsbald ereiferten sich einige Männer und gründeten ein Männerballett, das mit viel Spaß und Freude am Tanzen, das Publikum in Höchststimmung brachte. Versuche, eine Großgemeindesitzung, bei der sich auch die Ortsteile beteiligen konnten, wurden einige Male durchgeführt, scheiterten dann aber an den Räumlichkeiten. Daher ist es nun so, dass einzelne Ortsteile eigene Sitzungen abhalten, an denen der KV KIKIRIKI gerne als Gast bzw. mit einem Auftritt der jeweiligen Tollitäten und evtl. einer Tanzdarbietung teilnimmt. Jahrzehnte diente der Saal des Gasthauses „Zum Weißen Ross“ als Veranstaltungsort für die Fremdensitzungen. Gemeinsam gestalteten Besitzer und Karnevalverein die Bühnendekorationen immer wieder neu, die Bühne wurde erweitert, eine Heizung eingebaut und dies und jenes geändert, bis das „Aus“ kam. Der Saal entsprach nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen und so wechselten wir im Jahr 1999 in das neu gebaute Bürgerhaus. Anfangs war es für die Akteure und auch das Publikum recht ungewohnt: diese Größe, diese Distanz zum Zuschauer, die Beleuchtung, die ganze Technik. – Aber so ist nun mal der Wandel der Zeit – Schön ist es, dass es auch heute noch Menschen gibt, die den Mut haben, sich vor eine große Zuschauermenge zu stellen und mit Witz und Ironie ihren Beitrag zu den, mittlerweile drei stattfindenden Sitzungen, zu leisten. Trotz der großen Anzahl an Tänzern wäre es ohne Büttenreden, Zwiegespräche, Sketche bzw. Gesang keine Fremdensitzung.